|
Zweitmeinung
Jung ist René, aber dick, kein Athlet,
dafür ist alles schon deutlich zu spät.
Während der Arzt ihn genau untersucht,
hört man, wie ständig und leise er flucht,
weil dieser Pykniker lauter noch schnaubt,
als es das Höhrrohr des Arztes erlaubt,
ganz offenbar ringt er ständig um Luft
und emittiert einen jauchigen Duft.
Schließlich dann kommt es, das Scheißresümee,
schmettert ihn nieder, den armen René.
Hier referiere ich kurz nur und eng,
was man vernimmt, das klingt mehr noch als streng:
Übergewichtig und das nicht zu knapp
sind Sie und kommen so kaum mehr auf Trab.
Hundert und fünfzig schon, Kilo nicht Pfund,
das ist um Meilen entfernt von gesund.
Kleinlaut, bedrückt ist René der Patient,
wie ihn sein Arzt niemals sah und nicht kennt:
Dazu hätt´ ich bitte, wenn das nicht stört,
gern eine weitere Meinung gehört.
Freundlich und nett stimmt der Arzt ihm da zu,
fast wie ein Freund und schon lange per Du:
Ja, eine Zweitmeinung ist gern gefragt,
wenn an der ersten ein Zweifel nur nagt,
denn sie ergänzt und sie rundet schön ab,
nur bringt sie oft dich noch näher ans Grab.
Darum, mein Bester, warum nicht sofort,
ohne viel Schnickschnack direkt schon vor Ort.
So wie ein jeder, du kriegst sie gleich hier
und auch vom Fachmann, natürlich von mir.
So etwas kostet bei mir niemals mehr,
macht deine Geldbörse durchaus nicht leer,
andererseits auch nicht die meine gar schwer.
War dieser Vortrag nicht durchaus geschickt?
War auch erfolgreich, René nämlich nickt,
so dass der Arzt sich fast nicht unterbricht,
kurz nur mal seufzt und schon weiter gleich spricht:
Also mein Lieber, kein Wort mehr vom Bauch,
sondern als zweites: Du stinkst leider auch.
|