Ellipse: Prall und Proll
     

 

             Vergeigt

Papas Liebling Erwin Torben
wäre neulich fast gestorben,
weil er sich so sehr genierte,
denn er ahnte, was passierte
grade mal zwei Straßen weiter
in dem Bankhaus Gosenreiter.

Bei dem Violinenlehrer,
einem alten Bachverehrer,
war jung Torben angekommen
so wie immer leicht benommen
von der Unlust, jetzt zu geigen.
Torben wollte so wohl zeigen:
Hab auf Geigen keine Böcke,
hab sie mehr auf Mädchenröcke.

Doch er musste sich dann fügen,
Sohn zu sein ist kein Vergnügen,
dachte er im Musikzimmer,
fror schon jetzt ganz so wie immer,
blätternd kurz noch in den Noten.
Ist ja schließlich nicht verboten.

Als er dann den Geigenkasten
aufschloss schien er auszurasten,
zitternd flogen seine Hände,
nervlich war er fast am Ende,
mochte nicht den Augen trauen,
und erst recht nicht hinzuschauen,
sah, das war zum Motten kriegen,
die Kalaschnikow drin liegen,
die sein Papa immer putzte,
ehe er sie mal benutzte.

Hat er heute Torbens Kasten -
- sowas, das kommt nur vom Hasten. -
statt des eigenen mitgenommen?
Wem wird jetzt ums Herz beklommen?

Torben schämt sich für den Vater
und sein blödes Bank-Theater;
jetz kann er nichts andres zeigen,
als die Kunst, sich zu vergeigen.

Welcher Banker soll ihm glauben,
dass die Bank dort auszurauben,
Paps seit Wochen bestens plante,
ohne dass ein Mensch was ahnte,
denn jetzt steht ja wohl sein Alter
fiedelnd vor dem Kassenschalter.


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