Ellipse: Prall und Proll
     

 

              Traut Euch

Als zwei Hochseilakrobaten
vor den Traualtar hintraten,
konnt´ der Pfarrer ganz in Ruhe
ohne Akrobatenschuhe,
nicht auf dünnem Hochseil schwankend,
dabei akrophob erkrankend
ganz normal den Segen geben,
den für heute und das Leben.
Wagemut wollt´ er nicht zeigen
und beim süßen Klang von Geigen
in die Zirkuskuppel steigen.

Also sprach er in der Predigt:
Fertig wär ich und erledigt,
hättet ihr mich gar gebeten,
vor euch beiden hinzutreten
oben dort auf schmalem Pfädchen,
auf dem schaukelnd hohem Drähtchen.

Ich darf also ohne Grauen
mich hier trauen, Euch zu trauen,
und ich wünsche Euch von Herzen,
nie aus Leichtsinn rumzuscherzen
zwischen Himmel und der Erde,
denn wer stürzt, sagt nur noch Merde!.
Ohne noch mal kurz zu beten,
hieße das dann abzutreten.

Ob im Freien, ob in Hallen,
wünsche ich euch hier mit allen,
lieber auf- als abzufallen.

Gott soll stets nur Gutes walten,
über Euch die Hände halten.


Als der Bräutigam das hörte,
war `s die Wortwahl, die ihn störte.
Also rief er laut und munter:
Nein, Herr Pfarrer, lieber drunter!


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