Ellipse: Prall und Proll
     

 

                  Sterbehilfe

Garstig klingt das Verbum sterben ;
leider mögen das nur Erben.
Muss man denn die letzten Ehren
Toten schon verbal verwehren?

Besser wär´ es zu umschreiben
und dabei bei dem zu bleiben,
was der Arme früher machte,
schaffte, wirkte und vollbrachte.

Jeder stirbt auf seine Weise,
laut die einen, andre leise,
nicht normal in Bausch und Bogen,
sondern schön berufsbezogen.

Autohändler, das weiß jeder,
kommen unter –klar!- die Räder,
und Beamte, diese braven,
sind zumeist ganz sanft entschlafen.

Von der Putzfrau, schlicht und bieder
heißt es „Niemals kehrt sie wieder“.
Priestern wird wohl Gott erlauben,
schließlich einfach dran zu glauben.

Macht ein Zahnarzt mal die Mücke,
hinterlässt er eine Lücke.
Vom Gevatter Tod beschlichen
ist ein Färber wohl verblichen.

Fechter, wenn nach mir es ginge,
springen über ihre Klinge.
Selbst der Anwalt von Gelichter
stirbt und steht vor seinem Richter.

Und ein ganz besonders schlauer
Landwirt und Gemüsebauer
Sieht aus seinem Sarg nun drunten
die Radieschen echt von unten.

Bei den Gärtnern - klingt beschissen -
heißt es „ …hat ins Gras gebissen.“
Stirbt ein Schaffner – Soll ich lügen? –
liegt er in den letzten Zügen.

Steht´s bei Maurern auf der Kippe,
fragt man „… springt er von der Schippe?“
Stirbt ein Wandrer nach sehr langen
Qualen, ist er fortgegangen.

Sterben liefert viele Bilder,
und es klingt auch sehr viel milder.
So trägt jeder – nota bene! –
bei zur deutschen Sprachhygiene.

 

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