Ellipse: Prall und Proll
     

 

                Sprechtag

Der Bürgermeister unsrer Stadt,
der klug stets was zu quatschen hat,
sitzt heute ganz genau dafür
wie stets am Tag der Offenen Tür
an seinem Schreibtisch im Büro
mit sich zufrieden, kurzum froh.

Er hört sich Lob und Tadel an
und geht drauf ein, so gut er kann,
auf das, worüber mancher klagt,
was vielen an der Seele nagt,
z.B. wenig effektiv,
um nicht zu sagen primitiv,
sei hier im Rathaus jedes Amt,
es sei zu lahm, zu nichts entflammt,
zum Warten sei man hier verdammt.

Der Bürgermeister seufzt und stöhnt
an solche Reden längst gewöhnt;
er weist zwar zweifelnd an dem Sinn
auf jene Stadtverwaltung hin,
an der die arme Nachbarstadt
seit Jahren schon zu leiden hat.

Bei denen sei das ständig so,
dass eine Hälfte irgendwo,
vermutlich meistens auf dem Klo,
die Arbeitszeit gekonnt verpennt,
die andre werkelt, schuftet, rennt.

Sein Resümee zum guten Schluss
erweist sich sonnenklar als Stuss:
Bei uns, was unsre Ämter ehrt,
ist das entschieden umgekehrt.


 

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