Ellipse: Prall und Proll
     

 

                        Spätes Glück

Drüben im Park unter uralten Linden
stehen geschützt vor dem Regen und Winden
marmorgemeißelt zwei nackte Gestalten,
Amor und Psyche, die Wache dort halten,
beide verliebt, wenn auch beide noch Kinder,
er will zu ihr und zu ihm sie nicht minder.

Vor ihren Sockel tritt plötzlich Mirinda
Fee aus der Sternwelt Palubilinda.
Lächelnd empfiehlt sie, vom Kot vieler Tauben
sich mal zu säubern und auch zu entstauben:
Seid bitte fleißig, gewissenhaft, munter,
kommt für ein Stündchen vom Sockel herunter.

Mittels viel Zauber und magischer Kräfte
wecke ich eure ganz menschlichen Säfte,
lass euch erwachen zu Lust und zu leben.
Springt nur herunter, ihr dürft euch was geben,
sprengt eure Fesseln und kennt keine Hemmung!
Sechzig Minuten null Marmorberklemmummung

Kaum von dort oben heruntergestiegen
lassen sie alles gleich stehen und liegen,
haben wohl andres, ganz andres im Sinne;
ist es die Liebe, die Lust oder Minne?
beide verdrücken sich rechts um die Ecke
und sie verbergen sich hinter der Hecke.

Lachen, Gekicher, Gestöhne der Gören,
Jubelndes Jauchzen ist nur noch zu hören.
Knapp ist die Zeit, und sie müssen sich sputen:
Amor ruft etwa nach dreißig Minuten
Rum und vorbei ist die Hälfte der Stunde!
Jetzt kommt die zweite ekstatische Runde!


Psyche liebt Amor, den Gott, den aparten,
kann drum aus Liebe es kaum noch erwarten.
Also erwidert sie glücklich Die Taube
halte jetzt ich für Dich fest und erlaube

- kann sich ihr Lachen mit Müh nur verbeißen -,
Dir, auf den Vogel ganz kräftig zu scheißen.

 

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