Ellipse: Prall und Proll
     

 

              Spät gefreit,
                
noch bereit

Haare jahrelang schon weiß
und auch sonst rundum ein Greis,
tritt er, findet´s wunderbar,
nochmals vor den Traualtar,
hält am Arm die junge Braut,
die verliebt den Ring beschaut
an der schlanken rechten Hand,
dieses gold
ene Treuepfand.

In der Hochzeitsnacht im Bett,
küsst er seine Frau erst nett
und streckt dann die rechte aus.

Sie denkt für sich: Ei der Daus!
Alle Finger breit gespreizt?!
Was bloß ist es, das ihn reizt?


Also fragt sie bass erstaunt
und natürlich gut gelaunt:
Wie denn? Heute gleich fünf mal?
Wirklich fünf mal an der Zahl?
Denkst Du auch noch an Dein Herz
und den bösen Rückenschmerz??


Er wirkt erst zutiefst entsetzt,
dann auch noch im Stolz verletzt:
Halt ich Dir fünf Finger hin,
hat das nur den einen Sinn:
Du hast heut zum ersten Mal,
armes Kind, die Qual der Wahl.
Mach Dir einfach nichts daraus,
such Dir einen Finger aus!

 

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