Ellipse: Prall und Proll
     

 

             Lebensmüde

Heini, dieser Unglücksrabe,
hat die ganz besond
ere Gabe,
alles völlig zu vergeigen
und zu Trübsal dann zu neigen.

Neulich sitzt er an dem Tresen,
der ihm oft schon Trost gewesen,
stiert in sein schon schales Bierchen,
hat wohl grad das Arme Tierchen.

Da tritt neben diesen Armen
fröhlich, ohne Gotterbarmen
mit den tiefen Depressionen,
die in Heinis Seele wohnen,
irgend so ein Zechgenosse,
Heini kennt ihn aus der Gosse,
haut mit seiner Riesenflosse
Heini auf den müden Rücken,
grinst vor Wonne und Entzücken,
greift sich jenes schale Bierchen,
kippt es sich auf seine Nierchen.

Heini, schwach auf beiden Beinen,
fängt gleich haltlos an zu weinen.

Jener klopft dem trüben Tröpfchen
freundschaftlich aufs Hinterköpfchen,
tröstet ihn mit hohler Rede
Wird schon werden, alter Schwede,
morgen kannst Du wieder lachen,
lässt es morgen wieder krachen.


Heini ärgert dies Gebaren:
Wie kannst Du in tausend Jahren
ahnen, was mir widerfahren?

Erst hab ich den Job verloren
Dank zwei junger Direktoren,
die sich für was bess
eres halten
als die altbewährten Alten.

Dann hat mich mein Weib verlassen.
Soll ich sie nun dafür hassen,
dass sie einem jungen Fäntchen
Wangen, Po und beide Händchen
zärtlich streichelt und auch tätschelt,
ihn so wie ihr Kind verhätschelt?

Sohnemann Jean-Paul Gervase
bleibt ein Kind analer Phase,
ist seit Jahren schon kein Renner,
gilt im Park als King der Penner.

Meine Tochter, klein Brigittchen,
ist und bleibt ein großes Flittchen;
längst schon dient sie den Kaputten
als die Chefin aller Nutten.

Unser Haus wird zwangsversteigert,
weil beharrlich man sich weigert,
mir noch mal Kredit zu geben,
böte ich auch selbst mein Leben.

Unser Dackel, diese Töle,
liegt vor seiner Hundhöhle,
weiß, dass er vorm Kadi endet,
hat des Nachbarn Mops geschändet.

Soll ich Dir nun mehr noch sagen
von des Lebens Müh und Plagen?
Kannst Du meine Not verstehen?
Will jetzt in den Freitod gehen.

Doch auch das hat seine Tücken,
will nicht jedem bestens glücken.

Beim Erhängen, musst Du wissen,
ist der Strick mir durchgerissen
und beim Selbstmord durch Ertrinken
wollt´ partout ich nicht versinken.

Andres wirkt zwar ungeheuer,
doch ist meistens viel zu teuer,
so z.B. Selbstverbrennen,
um vom Teuren was zu nennen,
beim Benzinpreis geht man rennen.

Bungeespringen ohne Seile
machen Leute, die in Eile,
ohne lange noch zu leiden,
wirksam aus dem Leben scheiden.

Ich jedoch, ich kann das knicken,
brauche nur hinabzublicken
und schon fang ich an zu beben,
hänge wohl zu sehr am Leben.

Nun, vom letzten der Versuche
blieb mir auch nur noch Gefluche.
Wieder mal ist außer Spesen
mit dem Freitod nichts gewesen.

Kennst du jenes Gift der Gifte?
So was nehmen nur Bekiffte.
Dieses Pulver konnt´ ich kaufen,
um es in mich reinzusaufen,
hatt´ es hier schon vor mir stehen,
da doch, hast du nicht gesehen,
kamst grad du und statt zu nippen
musst du alles runterkippen.

Los jetzt, ich spendier noch einen!
Fang mir nur nicht an zu weinen,
denn das Gift, wie Kenner meinen,
spürt man erst nur in den Beinen.
Saufen kannst du noch ein Stündchen,
brauchst ja dazu nur dein Mündchen.

             ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ         X