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Kompliment
Gerda steht vorm Spiegelschrank,
seufzt gebrochen, seelisch krank,
während sich ihr Mann rasiert:
Früher war ich durchtrainiert,
jetzt doch bin ich dick und fett.
Karl sei bitte lieb und nett,
mach mir jetzt ein Kompliment,
das sich voll zu mir bekennt,
das mir ganz in deinem Sinn
sagt, wie ich noch immer bin.
Karl, der miese alte Schuft,
holt zunächst mal kräftig Luft
und sagt dann fast ohne Ton,
Gerda doch, sie spürt den Hohn:
Du siehst immer klar wie Glas,
sicher macht dir das auch Spaß,
alle Dinge, liebes Kind,
haarscharf, wie sie eben sind.

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