Ellipse: Prall und Proll
     

 

         Im Schneckentempo

Heute soll es Schnecken geben,
dafür lässt Anett ihr Leben.
Solche Erzdelikatessen
gibt es selten nur zum Essen.

Udo muss die Schnecken kaufen,
doch er geht noch zwei, drei saufen;
dabei ist es nicht geblieben,
aus den zwei da wurden sieben,
dann noch einmal weitre sieben,
Wo ist nur die Zeit geblieben?,
fragt sich Udo, hat Manschetten
vor der Ehefrau Anetten.

Die kann das mental kaum packen,
wenn ihr Udo mal versacken
will und muss und mag und könnte
und sich ein paar Bierchen gönnte.
Immer droht sie ihm, die Olle,
mit der dicken Nudelrolle.

Heut doch will er sie mal leimen,
freut sich diebisch im Geheimen,
setzt daheim im kleinen Flürchen,
kurz vor seinem Wohnungstürchen
alle Schnecken in zwei Reihen,
hier und da auch mal zu dreien
auf die letzten Treppenstufen,
um alsdann Anett zu rufen.

Grimmig steht sie gleich im Flürchen
in der einen Hand das Türchen,
wütend wie ein wilder Affe
in der andren Hand die Waffe,
die noch gestern Nudeln rollte,
Udo heut verdreschen sollte,
schaut sie stock und steif und grade
auf der Schnecken Schneckparade,
die im Gleichschritt türwärts schleimen.
So will U. Frau A. nun leimen.

Mit verschmitzten und auch kecken
Blicken treibt er seine Schnecken
immer schön in Richtung Wohnung,
so als gäb es zur Belohnung
dort mal endlich richtig Ruhe
nach dem Fußmarsch ohne Schuhe:

Hopp, hopp! Nur noch zwei, drei Schritte,
strengt Euch an, ihr Lieben, bitte!
Dann sind wir doch schon zu Hause.
Ich geh unter meine Brause.
Ihr marschiert gleich für uns Prasser
auf dem Herd ins heiße Wasser.


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