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Homo homini lupus
Wer sich liebt, der will sich necken,
mal mit witzig frechen, kecken,
mal mit klugen Wortgefechten,
niemals doch mit wirklich echten
Schlägen in die feisten Fressen,
die dann beide nie vergessen.
Gänzlich anders Paul und Trude
drüben in der Doppelbude.
Rechts wohnt Paul und links wohnt Trude,
Doppelhaus in Buxtehude.
Ständig gibt es was zu streiten,
Zoff, Verdruss auf beiden Seiten.
Trude sollte nachts nicht baden!
Pauls verdammter Fensterladen
muss der wirklich ständig knarren?
Trude soll die beiden Karren
endlich einmal anders parken,
Paul das Laub zusammenharken!
Trudes alte Nähmaschine
lärmt wie eine Dampfturbine,
und will Paul mal länger schlafen,
dröhnt das Platzkonzert vom Hafen
durch die all zu dünnen Wände,
was selbst Paul gemütlich fände,
wollte er nicht lieber schlafen.
Wofür will sie mich bestrafen?
Melodien, Schlager, Sterne
dies Programm hört Paul so gerne,
gibt drum Stoff, gibt volle Pulle,
dass von Trudes Butterstulle
Wurst und Käse runterfallen,
nicht von einer, gleich von allen.
Paul ist zwar noch Junggeselle,
doch muss Freundin Isabelle
in dem kleinen Schlaftrakt oben
wie bekloppt beim Beischlaf toben?
Trude schafft es nur mit Fürzen,
Zwischenwände umzustürzen.
Kaum kann Paul es mehr ertragen,
dass davon an manchen Tagen
selbst Tapeten Wellen schlagen;
und wer wollte da es wagen,
bei Frau Trudes Übungsschießen
alle Fenster zuzuschließen,
denn der Duft dringt durch die Ritzen,
bleibt in Paulchens Teppich sitzen.
Umweltschutz und Klimawandel,
Fehlbilanz im Außenhandel,
Terrorismus, Potwalsterben,
hohe Steuern für die Erben,
Buschbrand so wie Bildungskrise,
auf dem Konto ständig Miese,
DAX und TecDAX auf der Kippe,
Hühnerpest und Schweinegrippe,
alles, was auch sonst nicht machbar,
Schuld daran ist nur der Nachbar.
Das gilt auch in Buxtehude
so für Paul wie auch für Trude.
Lauthals brüllend wird gestritten,
fast zur Tätlichkeit geschritten.
Zetern, Meckern, Sticheln, Keifen,
aufgeschlitzte Autoreifen,
Nörgeln, Mosern, Fauchen, Knurren,
Mäkeln, Schnauzen, Fluchen, Murren,
das sind deren beiden Waffen,
die nichts außer Zwietracht schaffen.
Neulich tönt bei bester Laune
laut wie Jerichos Posaune,
als er seine Beete pflegte
und ein Rattengift auslegte,
Paul in Trudes Blumengarten,
Trude scheint nur drauf zu warten,
Müssten wir zusammenleben,
dieses Zeug würd ich dir geben.
Trude hört es. Raus die Krallen!
Keift nicht auf den Mund gefallen:
Müssten wir zusammenleben,
würd´ ich nach nichts andrem streben,
als mich schnellstens zu bequemen,
dieses Zeug von dir zu nehmen.

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