Ellipse: Prall und Proll
     

 

             Hommage
                 an den Oriol

Ja wer hätte das gedacht?
Wieder mal ist Heil
ige Nacht.

Keinen gibt es, der da friert,
jeder wird ja kaloriert;
hat er sich erst mal gelabt,
wird er obendrein beGabt.

Jeder wünscht dann jedem Glück,
mampft vom Braten noch ein Stück
- wie hieß noch die Weihnachtsgans?
Gerda! Klar! Bestimmt nicht Franz! -.
Hier und da zumeist verlegen
wünscht man sich auch Gottes Segen.

Opa!, hört man Dickie sagen,
Mama kann das kaum ertragen,
Halt doch endlich mal die Kippe
unter unsre alte Krippe.
Möchte sehen, ob sie brennt,
hören, wie die Oma flennt.


Waldi? Wo ist der geblieben?
Hat den irgendwer vertrieben?.
Waldi ist und bleibt verschwunden,
wird erst gegen Zwölf gefunden
schlafend hinterm Weihnachtsbaum,
bellt ganz leise tief im Traum,
und an seinem Festtagsknochen
nagt gepampert noch klein Jochen.

Onkel Jürgen ist besoffen,
auch sein Hosenstall steht offen.
Kommt halt vor! So ist das ja,
hat man´s an der Prostata.
Bald wird er wohl abgeführt.
Tante Erna ist gerührt,
wie sich das zum Fest gebührt.

Kater Polyonymos*
hier im Haus der wahre Boss,
spielt verzückt im Weihnachtsbaum,
für das Tier der reinste Traum:
All die Kugeln und die Kerzen
sind so ganz nach seinem Herzen.

Mutig geht´s von Ast zu Ast,
oben ist er jetzt schon fast,
wo es hell und blinkend blitzt,
Preußens Pickelhaube sitzt.

Papa seine Mama mahnt,
weil er allzu Schlimmes ahnt
Oma, hast du nichts begriffen?
Heute gibt es nix zu kiffen!
Und verdammt der Kaviar,
schmeckt der dir nicht wunderbar?
Merk dir ein für alle Mal:
Friss mir nicht den Schädel kahl!
Kaviar ist auch nur Rogen
weit entfernt von allen Drogen.
Keine Hoffnung, lass es, Oma!
Sing doch lieber La Paloma!


Wie bei jeder Feierei
ist auch Lou, der Papagei,
selbstverständlich mit dabei
und beschimpft - ob Mann, ob Frau -
jeden gleich als Geile Sau!

Links im Sessel, selbstverloren
mit den Stöpseln in den Ohren
diese kleine Punkertussie,
der gibt keiner Bussie Bussie
das ist unsre Katharina,
auch genannt Die Pubertina.
Schweigend blickt sie dumpf und cool
und hält jeden hier für schwul.

Zwischen all den Essensresten,
noch genug, ein Schwein zu mästen,
fängt die Mama an zu weinen.
Gerda muss sie noch entbeinen,
dieses einst so fette Gänschen
mit dem kurzen Pürzel-Schwänzchen.

Ma, die das jetz noch vermeidet,
weil sie unter Sodbrand leidet,
will zu fettem Gänsbraten
nur noch ihren Feinden raten

Rings um diese Maskerade
scharen sich vergnügt gerade
hunderttausend Jubelengel
samt dem neugebor
enem Bengel,
Joseph - klar! - und auch Maria,
Mutter Gottes und Kyria,
Hirten von der fernen Weide,
Ochs und Esel, alle beide.
Leider fehlen noch die Weisen,
sind zu dritt wohl noch auf Reisen.

Alle diese, zu verstehen,
kann natürlich keiner sehen,
wie sie ringsum sich gruppieren
und sich köstlich amüsieren.

Alle sind zwar mächtig heilig,
aber hatten´s trotzdem eilig,
pünktlich hier noch anzukommen
- Pünktlichkeit ziert alleFrommen - ,
denn man will ja nichts verpassen,
schade wär´s was auszulassen.
Jede Szene wird genossen,
keiner wirkt dabei versrossen.

Manche möchten applaudieren
wider himmlische Manieren,
denn im hohen Himmel droben
darf man nur den EINEN loben.

Doch vergib, mein Gott, gerechter,
mit olympischem Gelächter,
weiß man all dies zu quittieren
und die Show zu honorieren.

Hinten in der letzten Reihe
steht - hat der denn schon die Weihe? -
so ein kleiner, dicker Pater.
Das ist ER! Das ist Gott Vater!

Gütig lächelt er und milde,
denn er ist ja voll im Bilde
über alles, über jeden,
über Schweigen, über Reden.

Als schon alle aufgebrochen
waren und ins Nest gerkrochen,
sagte ER  - ER liebt Präzises,
Kurzes, Knappes - nur noch dieses:
War mal wieder richtig nett
bei Familie Hoppenstedt.


           ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ         X


*...heißt so wegen seiner vielen
Namen, die ihm nicht gefielen:
Kater Katze,gutes Schätzchen,
Fratz und manchmal liebes Frätzchen,
Vogelfänger, Papageno,
Lieber, Guter und Bueno
und so weiter und so fort
mit so manchem Kosewort.