Ellipse: Prall und Proll
     

 

             Hochzeitsnacht
                      reloaded

Wo sie einst vor vierzig Jahren
in der Hochzeitsnacht schon waren,
ließen sie auch heute wieder
wie zum Déjà-vu sich nieder,
im Hotel Zur Goldenen Ziege,
Brautgemach, noch ohne Wiege.

Er vom Bett aus munter zappend,
sie im Bad noch auf- sich -peppend
ließen die zwei faltenreichen
langsam ihre Zeit verstreichen,
bis dann sie sich plötzlich zeigte
in gekonnt lasziver Pose,
nackt bis auf die Unterhose;
irgendwo ein Geiger geigte.

Geh jetzt bitte ja nicht pissen!
sagte sie. Ich will erst wissen,
was du damals bei dir dachtest,
als du so verliebt noch lachtest,
und ich hier in diesem Zimmer
auf dich zuging, du mein Schlimmer,
nackt wie jetzt an jenem Abend,
nichts, fast nichts mehr an mir habend.


Er erstaunt: Das willst du wissen,
was ich dachte? Klingt beschissen,
doch ich will´s gern eingestehen,
shit, von heute aus gesehen.

Aber gut, ich werd´s dir sagen.
Darfst dich nur dann nicht beklagen,
wenn´s dir nicht gefallen sollte.
Denk dran, dass ich´s gar nicht wollte:


Nie hat sie mich drum gebeten,
ihr die Titten platt zu kneten,
bis sie flach sind wie zwei Flundern.
Gar nicht würde ich mich wundern,
wenn ich das hier gleich jetzt täte,
ohne dass sie darum bäte,
um mich dann dran zu erquicken,
den Verstand ihr rauszuficken.


Lächelnd fragt sie nun den Gatten,
den inzwischen ach so matten:
Und woran denkst du nun heute,
etwa
Wir sind alte Leute.?

Er darauf: Wenn ich dich sehe
und gedanklich rückwärtsgehe,
ist mir, was ich damals dachte,
als mein Herz so lustvoll lachte,
oft mit dir intim umschlungen
eigentlich ganz gut gelungen.


       ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ         X