Ellipse: Prall und Proll
     

 

            Heldentenor

Auf der Bühne ein Tenor,
hinter ihm der Opernchor!

Dieser jugendliche Held
singt melodisch und für Geld,
singt, dass jedes Herz sich rührt,
dass man ein Träne spürt,
welche, wenn auch ungewollt,
über Muttis Wange rollt.

Mit dem hohen F und C
tut er keiner Seele weh.
Alles wie aus einem Guss
bis zum Mollakkord zum Schluss.

Strahlend, jeder Zoll ein Mann,
tritt er an die Rampe ran.
Off
enes Hemd und Heldenbrust!
Welch ein Anblick, welche Lust!

An der Hüfte hängt ein Schwert,
für Tenöre nie verkehrt,
so dass er sich notfalls wehrt,
kommt er mal in schlimme Not,
oder ihm gar sonst was droht.

Um die Hüfte, Bein und Po
schmiegt sich eng ein Wolltrikot,
das der Spann- und Muskelkraft
Ausdrucksmöglichkeiten schafft.

Frau Geheimrat, Loge drei,
wiegt sich in der Melodei
und stöhnt sehnsuchtsvoll dabei:
Dieser Mann ist ein Orkan!
Himmlisch, göttlich sein Organ!

Neben ihr drauf Frau v. Rauch:
Aber singen kann er auch!

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