Ellipse: Prall und Proll
     

 

                 Grenzfall

Zollinspektor Bernd und Klaus
kennen sich im Grenzland aus,
schieben viele faule Lenze
an der Eidgenossen-Grenze,
auf des Steuerzahlers Kosten
dienen sie als Außenposten.

Zweimal täglich patrouillieren,
schlendernd ohne zu marschieren,
das gehört zu ihren Pflichten,
die sie täglich dort verrichten.

Niemals gab es je extreme,
unlösbare Grenzprobleme.
Und wenn doch, dann lebten beide
nach dem Grundsatz ICH VERMEIDE.

So auch, als sie gestern Morgen
heiter plaudernd, frei von Sorgen
einen Selbstentleibten fanden
und den Kasus gleich verstanden,
denn er hing als tote Leiche
grenznah an der deutschen Eiche,
die den Grenzverlauf markiert
und die Landschaft herrlich ziert.

Klaus sah dies Szenario
und war vieles, nur nicht froh,
denn er sah schon höchst vertrackte
Arbeit und Verwaltungsakte
auf sich selbst und Bernd zukommen;
sowas macht ihn meist beklommen.

Vieles gibt es zu bedenken,
keiner wird uns etwas schenken.
Bergung dieses armen Toten
oder besser Vollidioten,
Leichenwagen alarmieren,
Pathologen informieren,
Protokolle gründlich schreiben,
lange noch vor Ort hier bleiben,
dies und jenes attestieren,
unterzeichnen und firmieren
und dann noch, nicht zu vermeiden,
vor dem Richter dies beeiden.

So fragt Klaus bei solch Visionen
sich und Bernd: Kann das sich lohnen?

Bernd sofort: Mein Freund, wir beiden
können solchen Stress vermeiden.
Ohne lange rumzusuchen,
hängen wir ihn an die Buchen
jenseits auf der Schweizer Seite.
Wäre das nicht das Gescheite?
Drüben bei den Eidgenossen,
wär der Pudel dann begossen.


Klaus war völlig einverstanden,
Strick war ja genug vorhanden.

Mit dem Toten also liefen
in die Schweiz, ihn hochzuhieven,
diese beiden Inspektoren,
dreist und ganz schön unverfroren,
um ihn sorgsam aufzuknüpfen,
selbst dann eiligst zu entschlüpfen.

Alles lief zum Schönsten, Besten.
Jener hing an starken Ästen.
Diese beiden, Bernd und Kläuschen,
waren völlig aus dem Häuschen,
denn sie hatten ihren Frieden,
aller Ärger war vermieden.

Etwa ein, zwei Stunden später
kam vom Schweizer Zoll ein Räter
auf der mittäglichen Runde,
angeleint zwei Sennenhunde,
zu den Buchen den betagten,
wo die Nerven ihm versagten.

Bei dem Anblick von dem Toten
seufzte er: Das ist verboten!

Himmel, Arsch und scharfer Kümmel!
Da hängt dieser freche Lümmel
einfach rum, das ist zum Fluchen,
jetzt schon wieder an den Buchen.


         ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ        X