|
Eheberatung
Elsa, die Kluge, die Plitsche aus Bremen,
leidet seit Jahren an Eheproblemen,
bösen, sehr peinlichen, unangenehmen.
Keiner doch konnte bislang ihr sie nehmen.
Einsam fühlt sie sich, allein und verlassen,
fängt auch schon an, ihren Männe zu hassen.
Statt an den Sohn oder an ihren Vater,
wendet sie sich an den Eheberater,
von dem es heißt, er sei sicher ein Profi,
alles auch sonst nur gewisslich kein Doofi.
Zweihundert Euro bezahlt sie pro Stunde
für die Erlösung dank fachlicher Kunde
aus jenes Meisters so kundigem Munde.
Nach erster Klärung der schwankenden Lage,
oft unterbrochen durch mancherlei Frage
nach den noch frühen und auch nach den späten
oftmals gepflogenen Intimitäten
konnte der Profi zunächst ihr nur raten,
um nicht noch weiter durch Sümpfe zu waten:
…sollten dem Gatten ein Briefchen mal schreiben;
wichtig ist das und darf nicht unterbleiben.
Ganz genau müssen Sie darin ihm schildern,
wörtlich direkt oder auch mal in Bildern,
was Sie an ihm gar so eminent störte,
und was er so sicher nie jemals hörte.
Wenn in dem Brief Sie die ihm nicht bekannten
Fehler wie Mängel und Sünden benannten
und Sie dann aufmerksam rein in sich hören,
wird sie an an all dem rein gar nichts mehr stören.
Weiteres müssen Sie dann gar nicht mehr nennen,
können ihn stehenden Fußes verbrennen.
Das war der Standard-Kniff, darf jeder wetten,
schwer kranke Seelen durch Schreiben zu retten.
Drei Tage später ist ganz auf die Schnelle
Else per Handy schon wieder zur Stelle.
Nur vom Erfolg will sie schnell was berichten,
das sei doch auch wohl ein Teil ihrer Pflichten.
Briefe zu schreiben auch solche zu lesen,
sei ihre Sache schon immer gewesen.
Schreiben sei einfach, es könne viel klären,
so dass Probleme bald keine mehr wären.
Auch das Verbrennen sei bestens gelungen,
fröhlich noch habe sie dabei gesungen.
Jetzt stehe eines ihr bloß noch im Wege,
das nach wie vor in ihr Zweifel errege:
Was solle nun man - verkrampft war ihr Lachen -
und auch bis wann mit dem Briefchen noch machen?

|