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Der Pädagoge
Melchior der Kannibale,
dieser ganz und gar brutale,
ausgebuffte Menschenbrater,
sollte schleunigst zum Psychiater.
Er jedoch denkt stets stattdessen
nur an Jagen, Braten, Fressen.
Da sein Eisschrank gähnt vor Leere,
greift er sich die Axt, die Speere,
ruft sein Söhnchen Fridolin,
denn er geht nie ohne ihn.
Also spricht in weiser Weise
Melchior ganz leise, leise:
Wem geht´s heute an den Kragen?
Schaun wir mal! Wir gehen jagen.
Fridolin, du musst heut lernen,
was zu greifen, zu entkernen.
Wer bei drei sich nicht verkrochen,
wird vom Waidmann aufgebrochen.
Folge mir, mein Sohn, ich bitte,
folge jedem meiner Schritte,
bring mit mir was um die Ecke,
und verblas dann stolz die Strecke,
die verpackt in Plastiktüten
vor uns liegt in Klatschmohnblüten.
Abends dürfen wir dann ruhen
bei gefüllten Tiefkühltruhen,
nächtens wollen wir schön schmausen
bis zum großen Nabelsausen,
bis die Galle streiken könnte,
weil man ihr zu Fettes gönnte,
strapaziert die Leberlappen
übersatt zusammenpappen.
Was wir heute nicht genießen
kann man in den Kühlschrank schließen.
Hunger müssen wir zwei beiden
lange Zeit dann nicht mehr leiden,
denn dem wackeren braven Manne
brutzeln Schnitzel in der Pfanne.
Ist der Eisschrank rappelsvoll,
lebt es sich ganz einfach toll.
So erwachen langsam, sachte
von der Jagdlust angefachte,
reinste, völlig ungeschminkte,
inhumane Urinstinkte,
sich am Anstand abzuplagen,
um die Beute dann zu schlagen.
Zum Erbeuten eines Hirschen
heißt es vorher pirschen, pirschen,
dann erst, wirklich ganz zum Schluss,
kommt es zum finalen Schuss.
Sorgsam mustern sie die Leute,
potentiell ist jeder Beute:
Dieser kann noch etwas warten,
ist nicht fett genug zum Braten.
Jener ist doch viel zu hager,
ausgemergelt und zu mager,
statt ihn ratzfatz aufzufressen,
gäb man gern ihm was zu essen.
Dort der Sportler scheint zwar Klasse,
letztlich nichts als Muskelmasse
und vermutlich zu zwei Drittel
lupenreinstes Dopingmittel.
Nichts da! Nicht den Philosophen!
Zu viel Hirn versaut den Ofen.
Vegetarier und Veganer
nicht zu fressen ist humaner
als sie wieder auszukotzen,
weil sie so vor Hochmut strotzen
tief im Glauben Wir sind besser!
als so ganz normale Esser.
Jedem gehen die auf die Drüse,
riechen, schmecken nach Gemüse
so wie all die Wertkostjünger
stark nach Vogelfutter, Dünger
und nach frischem Mist meist schmecken;
das kann Würgereize wecken.
Hier nun zeigt sich wieder mal,
wer die Wahl hat, hat die Qual.
Plötzlich sich die Augen weiten,
denn sie sehen vorüberschreiten
den Garant des Wohlergehens,
und die Welt ganz neu Verstehens.
Was da geht sind Männerträume,
für die meisten Männer Schäume,
nicht zu fassen, zu begreifen.
Radler, bleib bei Deinen Reifen!
Ein Geschenk durch Gottes Gnade:
Lange Beine, schlank, gerade
scheinen nirgendwo zu enden,
wenn wo, dann wohl an den Lenden.
Po und Bauch und selbst der Rücken,
hocherotisch zum Entzücken,
alles wohlgeformt und knackig,
sanfte Kurven, nirgends zackig
wissen jeden zu verführen,
jeder möchte sie berühren,
möchte in den Kurven liegen,
möchte sanft darein sich schmiegen.
Und zu all dem noch der Busen,
wohlgeformter in den Blusen
als die vielen, die in engen
Stützgeräten dennoch hängen.
Ihr Gesicht, die Form, Konturen
gleichen klassisch den Figuren
mancher Venus, Aphrodite,
Pallas, Hera, Amphitrite.
Um die Lippen weht ein Lächeln,
so wie Sommerwinde fächeln.
Braune, glänzend lange Locken
reißen jeden aus den Socken,
so auch Fridolins Papa,
der nur seufzt: Oh, Helena!
Melchior ist fest entschlossen,
jetzt, sofort und unverdrossen,
dieses Weibsbild abzugreifen,
um es mit nach haus zu schleifen,
nicht zum Braten, Frikassieren,
Dämpfen, Garen und Tranchieren,
Grillen, Dörren, Filettieren,
Sieden, Brühen, Portionieren
Schmoren, Schmurgeln, Rösten, Kochen
abzulösen von den Knochen,
und den Bratensaft, den schieren,
tuppermäßig einzufrieren.
Nein, er will sie hegen, pflegen,
hätte wirklich nichts dagegen,
ihr bisweilen beizuliegen,
von ihr manch ein Kind zu kriegen.
Nein, er will sie doch nicht schlachten,
will sie lieben, ehren, achten,
will sie nur auf Händen tragen,
bis, mag sein in fernen Tagen,
sie ihm doch vielleicht verleidet,
und sie dann der Kochtopf scheidet,
er sie frisst zum Vesperbrot,
wenn der Tag so gut wie tot
sanft verglüht im Abendrot.
Also Melchior zum Knaben:
Frisch, mein Frido, lass uns traben!
Die da drüben will ich haben,
die da drüben lass uns packen
erst am Arsch und dann im Nacken,
um sie so vor allen Dingen
unversehrt nach haus zu bringen.
Dort bereitet schon die Mutti
ein, zwei Kilo Tutti Frutti,
Niemals soll man ihn vergessen,
Nachtisch nach dem fetten Essen,
einem fangfrisch zarten Braten,
der so fein schmeckt, wohlgeraten.
Wenn wir dann zu hause sitzen
ausgeruht und nicht mehr schwitzen,
dann will ich die Mammi killen,
sie auf kleiner Flamme grillen.
Schließlich gibt es zur Belohnung
auf der Wiese vor der Wohnung
kiloweise fette Mutter
durchgeschwenkt in guter Butter
und dazu noch für uns Drei
tiefgekühlten Hirsebrei.

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