Ellipse: Prall und Proll
     

 

              Das Geheimnis
                       des Eheglücks

Ein Rentnerpaar, Karl-Heinz und Trude,
die stehen vor der Frittenbude
an ihrem hohen Tisch im Freien
vor heißen Imbiss-Leckereien.

Ihr Lebensbund hat stets gehalten
bei jedem Schalten und auch Walten,
denn beide waren keine Flegel
und heilig ihnen diese Regel:

Für uns gilt immer wie beim Wandern,
der eine wartet auf den andern,
und was wir tun, das nur gemeinsam,
denn so ist keiner von uns einsam.


Da stand K.-H. nun kräftig kauend,
auf seine neuen Zähne bauend,
und Trude sah in aller Ruh
dabei dem Gatten lächelnd zu;
sie rührte anders als ihr Mann
das warme Essen gar nicht an.

Als das ein Gast vom Nebentisch
- er aß per Hand frittierten Fisch -
bemerkte, konnte er´s nicht lassen,
was viele voll von Abscheu hassen,
sich einzumischen, so als ginge
es hier um seine eig
enen Dinge:

Darf ich, nach alter Väter Sitten,
Madame, Sie allerherzlichst bitten,
das Essen auch mal zu probieren,
auch wenn Sie´s nicht wie ich goutieren,
denn hier serviert man schon seit Zeiten.
die allerfeinsten Köstlichkeiten.

Frau Trude nun darauf geduldig,
sie glaubt, dem Herrn sei sie das schuldig:
Mein Mann und ich, wenn Sie gestatten,
schon immer eine Regel hatten,
die uns gut hilft in allen Lagen,
selbst Allerschwerstes zu ertragen.

Wir machen niemals was alleine,
Sie ahnen sicher, was ich meine,
und das bedeutet dann im Leben
zu nehmen so wie auch zu geben.


Für sich nur solo durchzustarten,
das würde dazu bald entarten,
auf seinen Partner nie zu warten.
Gemeinsamkeit, was man auch tut,
ist darum unser höchstes Gut.

Wir haben drum uns angewöhnt
- gilt vielerorts wohl als verpönt -,
Gemeinschaftsgut, mag auch wer stutzen,
ganz strikt gemeinsam zu benutzen.

So sitzen wir hier nun zusammen
vor unsrem Max, dem wahrhaft Strammen,
und ich, ich warte herzlich gerne
wie Lilli unter der Laterne,
dass bald, weil er mich doch so liebt,
K.-H. mir seine Zähne gibt.

            ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ         X