Ellipse: Prall und Proll
     

 

         Christliche Malerei

Fritzchen schlendert durchs Museum,
durch die Sonderschau TE DEUM.
Christlich ist, was Maler malten
und wofür die Reichen zahlten.
Alles kann man hier wohl sehen,
mancherlei doch nicht verstehen:

Hier die Teufel, dort die Engel,
Christus mitten im Gedrängel,
segnet huldvoll alle Guten,
lässt die Bösen kräftig bluten.

Lazarus liegt auf der Bahre,
für die Totengräber Ware,
die es heut gilt, nicht erst morgen
nach dem Ritus zu entsorgen.

Ein Saal weiter hängt der Schächer,
namenloser Schwerverbrecher,
gleich daneben kann man sehen:
Petrus hört den Hahn laut krähen.

Abendmahl und Auferstehen,
auf dem See spazieren gehen,
Himmelfahrt und langes Warten
auf die Häscher in dem Garten.

Paulus, Barabas, Herodes,
der Verkünder Christi Todes,
jener Pontius Pilatus,
Heide, hier mit Sonderstatus!

Alle, längst im Grab vergammelt,
sind hier noch einmal versammelt.
Öl und Pinsel - Kann man sehen! -
ließ sie alle auferstehen.

Alles wurde kurz betrachtet,
manches gar nicht erst beachtet,
nur vor einem blieb Fritz stehen,
um genau es anzusehen:

Über Bethlehem die Sterne,
Engelschöre in der Ferne,
rechts und links zwei alte Hirten,
die das Jesuskind bewirten
mit den kleinen, armen Gaben.
Jesus soll sich daran laben
liegend in der alten Krippe,
Urbild jeder Babywippe.

Trotz des Kindes Gottesgröße
zeigt der Winzling Jesus Blöße.
Nackt und ohne warme Decken
lässt sich schamhaft nichts verstecken.
Kann ein Kind mit kaltem Hintern
so im Kuhstall überwintern?

Fritzchen sieht es, wirkt verdrossen:
Was seid ihr denn für Genossen?
fragt er sich und zeigt Empörung:
Leidet ihr an Geistesstörung?
Könnt die Windeln nicht bezahlen,
aber lasst euch prachtvoll malen

 

ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ     ̶    ᵕ         X