Ellipse: Prall und Proll
     

 

        Chefknastrologe

Jedes Jahr - wie überall -
gab es den Juristenball
auch bei uns in unsrer Stadt,
fand wie meist im Juni statt.

Mancher hat die ganze Nacht
Walzer tanzend zugebracht.
Morgens erst so gegen drei
war die Fete aus, vorbei,
und es ging dann vom Parkett
schnurstracks ab ins warme Bett.

Henry Hubert Groenewald,
Chef der Landesstrafanstalt,
war natürlich auch dabei,
tanzte Rumba bis halb drei,
schwenkte Else, seine Frau,
jeder Schritt saß ganz genau.

Keiner mag ihn hier im Land,
gilt als launisch, als Pedant.
Niemand blieb bei Henry steh
en.
Jeder musste wieder geh
en
nach drei Worten, kurzem Ciao,
einem Lächeln für die Frau.

Nur ein junger Ref
erendar,
der schon leicht betrunken war,
schmiss sich doch an Henry ran
und verstrickte gleich den Mann
in den Fachkollegen-Plausch,
der noch drin ist selbst im Rausch.

Menschenkenner Groenewald
spürte aber doch sehr bald:
Dieser Kerl ist mir suspekt,
wer dem traut, ist bald verreckt.


Schnell erreicht war dann der Punkt,
wo es auch bei Henry funkt,
wo er dem, vor dem ihm graut,
gern eins in die Fresse haut.

Das war kurz vor Mitternacht,
draußen glänzte Sternenpracht,
als der Jur-Eleve fragte,
weil die Neugier an ihm nagte:

Leiter der Vollzugsanstalt,
Chef vom Knast für Jung und Alt!?
Macht ein solcher Job denn Spaß,
und wie bitte wird man das?

Geht man da als kleiner Mann
erst mal ganz bescheiden ran,
fängt als Jungganove an?

 

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