Ellipse: Prall und Proll
     

 

       A Midsummer Day´s Dream

Zwei Jäger gingen - muss man´s sagen? -,
zwei Jäger gingen - klar doch! - jagen.

Im tiefsten Tann, wo Elfen schwirren,
wo Trolle Tier und Mensch verwirren,
wo Puck und Droll ihr Wesen treiben,
dort sollte man als Mensch nicht bleiben.
Man kann nichts tun als sich verlaufen,
da hilft dann auch kein Haare Raufen.

Im Reich von König Oberone
was nützen da Testosterone?
Der stärkste Mann wird glatt zur Niete,
ein Kompass wär die halbe Miete.

Titania lässt die Sonne schwingen,
die goldenen Strahlen zitternd singen.
Sie lässt des Nachts das Mondlicht klirren,
als ob zartgläsern Vöglein girren.
Wer will sich dorten nicht verirren?

Nicht anders ging es diesen beiden,
die gleich an Atopia leiden
beim Eintritt in die Welt der Märchen.

Im Hintergrund brummt Pooh, das Bärchen,
am Wegesrand strotzt Frau Alraune
vor Lebenslust und guter Laune,
am Bach da sieht man zwei Najaden
ganz unbefangen nackend baden,
Dryaden schaukeln in den Bäumen,
wobei sie von der Liebe träumen,
am Quell strickt sich die Wassernymphe
schon für den Winter warme Strümpfe,
und klein, gemein das Rumpelstilzchen
getarnt als giftig Fliegenpilzchen
will schier vor Wonne sich zerreißen,
wenn jemand fragt Wie magst Du heißen?.

Da stehen die beiden gottverloren,
die hilflos in der Nase bohren,
und wissen nicht, sich selbst zu helfen.

Voll Schadenfreude kichern Elfen,
Miss Alice sitzt auf grünem Rasen
und streichelt ihren weißen Hasen,
daneben hockt die Grinsekatze
fast wegmutiert zur Grinsefratze,
dieweil ein Waldschrat voll Vergnügen
den Tag genießt in vollen Zügen,
von einem Bein aufs andre hinkelt
und sich dabei ins Höschen pinkelt.

Doch dann weht durch die Waldesstille
ein frischer Hauch von Lebenswille.
Die beiden rufen, brüllen, schreien,
bald einzeln, bald auch mal zu zweien,
sie kreischen, dass die Mandeln schwellen,
die Augen aus den Höhlen quellen.
Der Druck beim Schreien in der Lunge
mit Luft gefüllt bis rauf zur Zunge
lässt beide Jäger binnen Kurzem
zur gleichen Zeit vernehmlich furzen.

Vokalorkane, Flatulenzen
erreichen locker alle Grenzen,
doch leider lässt sich niemand finden,
der deren Schreien in den Winden
per Zufall nur zur Kenntnis nähme
und ihnen dann zur Hilfe käme.
Nicht ein Response auf solch Gebrülle!

Verdeckt wie unter einer Hülle
liegt Welt und Feld und Wald in Stille.
Von nirgendwo naht Helferwille.
Die Ruhe tobt in beider Ohren.
Wir Unglückswürmchen sind verloren,
so sagen sich die armen Schweine,
Sankt Hubert, lass uns nicht allein!.

Nach argen Ängsten, Frustrationen,
nach allertiefsten Depressionen
beschließt man, ohne Blutvergießen
nach oben in die Luft zu schießen:

Das sollte jeder wohl bemerken,
ob Schuft, ob Mensch von guten Werken.

So machen sie sich Mut, die Helden.
Was könnten sie auch sonst vermelden?
Ein Schuss soll schnell signalisieren:
Da scheint was Schlimmes zu passieren!!
Gefragt sind alle Rettungskräfte,
viel Hirnschmalz so wie Muskelsäfte.

Sie wünsche dringlich und sie hoffen,

der Rettungsdienst sei nicht besoffen,
da werde schnell und strikt befohlen,
sie aus der Sch... rauszuholen.

Im Wechsel schießen nun die Schützen,
doch leider will das gar nichts nützen.
Sie schießen eifrig um die Wette
voll Hoffnung, dass man sie nun rette.

Beim ersten Schuss ein banges Warten,
und als sie in die Stille starrten,
erschienen ihnen Firlefanzen,
als ob da wilde Hexen tanzen,
als tobten dort aus purem Golde
gemeißelt zwei mal zwölf Kobolde,
als spuckten sieben Feuerdrachen
bei grausig schrillem Höllenlachen,
als ob zuhauf Vampire flögen
vom Nichts ins Nichts in hohen Bögen.

Zu guter letzt bleibt nur Verzagen,
die Angst rumort in beider Magen;
das Mienenspiel wird bang und bänger,
am Hemd der Kragen immer enger.

Dann spricht mal irgendwann zum einen
der andre: Nein, mein Freund, nicht weinen!
Mein Bester, bitte Kontenance!
Wir haben doch noch eine Chance.
Der Himmel hat schon viele Löcher,
doch ich noch einen Pfeil im Köcher.


Als diesen sie nun auch verknallten,
da konnte keiner sich mehr halten,
die jungen nicht und nicht die alten
im Geisterwald vor lauter Lachen
aus vollem Hals und tiefstem Rachen.

   Das war dann der Augenblick,
   wo nach so viel Missgeschick
   Kuno sich am Apfelbaum
   rappelt aus dem Mittagstraum;
   wischt sich von der Stirn den Schweiß
   und stöhnt: Ist noch immer heiß!
   Kuno, Kuno, welch ein Scheiß!

 

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